Hacker-Angriff im Landkreis Diepholz !

Ein Beitrag von der Kreiszeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Am Ristedter Weg 17, 28857 Syke


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Hacker-Angriff im Landkreis Diepholz: Möglicherweise hunderte Unternehmen betroffen

Sulingen – Regelmäßig warnt die Polizei vor Betrügern – nicht selten geht es um Cyberbetrug. Es reicht, einen falschen Link in einer E-Mail anzuklicken, voller Vertrauen, sich auf der richtigen Seite – beispielsweise Ebay – zu befinden und dann kann es ganz schnell gehen.

  • Mehrere Unternehmens-Webseiten im Landkreis Diepholz wurden von Hackern angegriffen
  • Das Prinzip: Die Hacker kopieren die Internetseite eins zu eins
  • IT-Dienstleister Nick Flechtner gibt Tipps für Betroffene und hat sogar eine Sammelklage eingereicht

Hacker-Angriff im Landkreis Diepholz: Spur führt zu einer Firma in London

Nick Flechtner hat das Ganze von der anderen Seite aus erlebt. Der IT-Dienstleister hat keinen falschen Link angeklickt. Die Seite seines Unternehmens Flerexx wurde von Hackern angegriffen und offenbar eins zu eins kopiert. Kurz darauf stellte Flechtner fest, dass er offenbar nicht das einzige Opfer im Landkreis Diepholz ist. Eine von ihm gestartete Analyse habe ergeben, dass vermutlich zahlreiche weitere hiesige Unternehmen betroffen sind.

„Die Betrüger sind sehr erfinderisch. Sie kopieren sich aus dem Impressum E-Mail-Adressen, fälschen die Adresse“ und verschicken unter falschem Namen Warnungen, die dann jeweils einen der genannten falschen Links enthalten. Im ersten Moment „habe ich die Webseite als Schutzmaßnahme zeitweise komplett vom Netz genommen“, berichtet Flechtner. Auf einer Kopie seiner Seite fand er sogar eine Adresse, die seit Monaten veraltet ist. Die Betrüger müssen also schon lange Daten gesammelt haben.

Dann wollte er den Spieß umdrehen. Er machte sich auf die Suche nach denjenigen, die hinter den Angriffen und Betrügereien stehen. Seine Spur führt zu einer Firma in London. Und wer am Ende genau verantwortlich sei, er müsse über enorme Manpower verfügen. „Facebook-Profile, Twitter, Instagram, es wird alles geklaut“, so Flechtner. In dem Stile lasse sich das nicht automatisieren.

Hacker-Angriff im Landkreis Diepholz: Betroffene sollen Screenshot anfertigen und sich bei der Polizei melden

Allein 650 Server, von denen aus die Betrüger agieren, habe er in nur zwei Stunden ausfindig machen können. Doch das helfe erst mal nicht, um das Problem zu lösen. Meldet Flechtner eine Seite, wird sie vom Netz genommen, wird sie kurz darauf in anderer Form wieder online gestellt.

Nick Flechtner hat nun eine Sammelanzeige bei der Polizeiinspektion Diepholz eingereicht. Diese bestätigt auf Nachfrage der Kreiszeitung, dass am 11. Juni in Sulingen eine entsprechende Anzeige zum Thema Computerbetrug eingegangen sei. Aktuell liege der Fall beim Fachkommissariat für Betrug in Diepholz und werde dort bearbeitet. Anschließend gehe der Fall an die Staatsanwaltschaft, so Polizeisprecher Thomas Gissing. Betroffenen empfiehlt er, möglichst Screenshots von den gefälschten Seiten anzufertigen und dann direkt die Polizei zu kontaktieren. Dort sei dann das Fachkommissariat für Betrug der richtige Ansprechpartner.

Darüber hinaus ist es auch möglich, sich der Sammelklage von Nick Flechtner anzuschließen. Laut dem IT-Experten seien deutlich mehr Unternehmen aus dem Landkreis Diepholz betroffen als anfangs gedacht. „Die Lage hat sich noch mal zugespitzt“, so Flechtner kurz vor Erscheinen dieses Artikels. Manchmal reiche es schon, die eigene Firma zu googeln und zwei, drei Seiten zu scrollen und schon findet man gefälschte Firmenseiten, berichtet der Sulinger.

Hacker-Angriff im Landkreis Diepholz: Es besteht die Möglichkeit, sich der Sammelklage anzuschließen

Rund eine Woche nach seiner Anzeige hätten sich laut Flechtner bereits zwölf Firmen seiner Klage angeschlossen. Die Polizei konnte dies nicht direkt bestätigen, da die Klagen erst bei der Staatsanwaltschaft zusammenlaufen würden.

Der Sulinger IT-Dienstleister hat nun auf seiner Internetseite ein Formular zur Mitschreibung der Anzeige bereitgestellt. Alternativ kann die Anzeige auch direkt bei der Polizei eingereicht werden, das entsprechende Aktenzeichen ist in Flechtners Formular zu finden. Am Dienstag verkündete Nick Flechtner schließlich: „Ich habe den Durchbruch geschafft.“ Nicht nur würden nach seinem Hinweis beim für die Vergabe von Internetadressen zuständigen Unternehmen Denic entsprechende Analysen laufen, eine Erfolgsmeldung habe er kürzlich auch aus Karlsruhe erhalten. Dort waren einige der gefälschten Adressen auf Servern gehostet. Diese seien nun laut einer schriftlichen Mitteilung erfolgreich abgeschaltet worden, berichtet der Sulinger erfreut.  ml/ls

Nick Flechtner aktualisiert neue Entwicklungen des Falles fortlaufend auf www.flerexx.de. Dort ist auch das Formular für die Sammelklage auf der Startseite zu finden.